Grandioser Narzissmus erklärt: Warum Stromberg sich selbst so schwer hinterfragen kann

Grandioser Narzissmus erklärt: Warum Stromberg sich selbst so schwer hinterfragen kann

Narzissmus verstehen – psychologisch erklärt anhand von Stromberg (Teil 7)

Hinweis: Stromberg ist eine fiktive Fernsehfigur. Die folgenden Beobachtungen dienen ausschließlich der Veranschaulichung psychologischer Konzepte und stellen keine Diagnose dar. Die Figur wird genutzt, um typische Dynamiken des grandiosen Narzissmus verständlich und alltagsnah zu erklären.

Im letzten Artikel haben wir uns angeschaut, warum Menschen mit grandiosem Narzissmus die Perspektive anderer häufig aus dem Blick verlieren und weshalb Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse ihres Gegenübers dadurch oft zu wenig berücksichtigt werden.

Doch selbst dann, wenn Konflikte immer wieder nach einem ähnlichen Muster verlaufen, zeigt sich häufig eine weitere typische Dynamik.

Viele Betroffene stellen sich irgendwann dieselbe Frage:

„Warum verändert sich eigentlich nichts?“

Sie haben immer wieder versucht, ruhig anzusprechen, was sie belastet.
Sie haben Grenzen gesetzt.
Gespräche gesucht.
Und trotzdem scheint sich dieselbe Dynamik immer wieder zu wiederholen.

Schauen wir deshalb noch einmal auf Stromberg.

„Herr Stromberg, hätten Sie kurz Zeit?“

Der Kollege bleibt vor der Bürotür stehen.

„Ja, wenn’s schnell geht“, antwortet Stromberg und lehnt sich entspannt zurück.

„Mir ist aufgefallen, dass die Stimmung im Team in den letzten Wochen ziemlich angespannt ist.“

Stromberg hebt eine Augenbraue.

„Ach was.“

„Mehrere Kolleginnen und Kollegen fühlen sich durch Ihre Kommentare immer wieder vorgeführt.“

Für einen kurzen Moment wird es still.
Dann winkt Stromberg ab.

„Also ehrlich … die sollen sich mal nicht so anstellen.“

Der Kollege bleibt ruhig.

„Es geht nicht darum, Sie anzugreifen. Ich wollte Ihnen nur schildern, wie das bei einigen angekommen ist.“

Stromberg schüttelt den Kopf.

„Das Problem ist doch heute, dass keiner mehr mit Klartext umgehen kann.“

Der Kollege versucht es noch einmal.

„Glauben Sie nicht, dass Ihr Verhalten vielleicht einen Anteil daran haben könnte?“

Stromberg lacht kurz.

„Nee.“

„Ich bin eben so.“

„Damit müssen die Leute klarkommen.“

Damit scheint das Gespräch für ihn beendet zu sein.

Während der Kollege noch darüber nachdenkt, ob sich etwas verändern ließe, sieht Stromberg keinen Anlass, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen.

Für ihn scheint festzustehen:

Das Problem liegt nicht bei ihm.
Sondern bei den anderen.

Wer die Serie Stromberg kennt, hat ähnliche Situationen wahrscheinlich schon häufiger beobachtet.

Menschen sprechen ihn auf sein Verhalten an.
Sie schildern, wie seine Aussagen oder Entscheidungen auf sie wirken.
Doch anstatt darüber nachzudenken, ob an dieser Rückmeldung etwas dran sein könnte, scheint für Stromberg schnell festzustehen:

„Ich bin eben so.“

Vielleicht hast du eine ähnliche Situation selbst schon erlebt.
Du sprichst ein Verhalten ruhig an.
Du erklärst, welche Auswirkungen es auf dich hat.
Du hoffst, dass dein Gegenüber einen Moment innehält und über deine Rückmeldung nachdenkt.
Doch stattdessen hörst du Sätze wie:

„So bin ich nun einmal.“

„Damit musst du klarkommen.“

Oder:

„Die anderen haben das Problem – nicht ich.“

Vielleicht hast du dich anschließend gefragt:

„Warum fällt es manchen Menschen so schwer, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen?“

Viele Menschen erklären sich dieses Verhalten mit mangelnder Einsicht oder fehlendem Interesse an Veränderung.

Diese Erklärung klingt zunächst nachvollziehbar.

Doch beschreibt sie wirklich, was dabei psychologisch passiert?
Oder steckt hinter dieser Dynamik möglicherweise mehr, als auf den ersten Blick zu erkennen ist?


Der psychologische Blick

Warum Selbstreflexion so schwerfallen kann

Wer das Gespräch von außen beobachtet, könnte sich fragen:

„Warum hat Stromberg die Rückmeldung seines Kollegen so schnell abgetan?“

Schließlich wollte der Kollege ihn weder angreifen noch bloßstellen.

Er wollte lediglich schildern, wie sein Verhalten auf andere Menschen wirkt.

Viele Menschen würden in einem solchen Moment vermutlich kurz innehalten.
Vielleicht nachfragen.
Oder sich fragen:

„Könnte an dieser Rückmeldung etwas dran sein?“

Nicht jede Kritik ist berechtigt.

Sie kann jedoch eine wertvolle Gelegenheit sein, das eigene Verhalten aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Genau diese Fähigkeit hilft uns, aus Erfahrungen zu lernen, unser Verhalten weiterzuentwickeln und Beziehungen langfristig zu stärken.

Beim grandiosen Narzissmus kann dieselbe Rückmeldung jedoch eine ganz andere Wirkung entfalten.

Was für andere Menschen ein Anlass sein kann, das eigene Verhalten zu überdenken, wird möglicherweise als ungerechtfertigter Vorwurf erlebt.

Dadurch richtet sich die Aufmerksamkeit häufig nicht auf das eigene Verhalten.
Sondern auf die vermeintlichen Fehler oder Schwächen des Gegenübers.

Vielleicht wird dadurch verständlicher, weshalb Aussagen wie:

„Ich bin eben so.“

oder

„Damit müssen die anderen klarkommen.“

nicht selten das Ende eines Gesprächs markieren.
Nicht, weil eine Veränderung grundsätzlich unmöglich wäre.
Sondern weil das eigene Verhalten in diesem Moment als selbstverständlich erlebt wird und deshalb gar nicht erst auf den Prüfstand gerät.

Genau hier setzt Selbstreflexion an.

Sie bedeutet, innerlich einen Schritt zurückzutreten und das eigene Verhalten mit etwas Abstand zu betrachten.

Dadurch entsteht die Möglichkeit, sich Fragen zu stellen wie:

„Welchen Anteil habe ich an dieser Situation?“

„Wie wirkt mein Verhalten auf andere Menschen?“

Oder:

„Was könnte ich beim nächsten Mal anders machen?“

Im therapeutischen Modell wird beschrieben, dass Menschen problematische Verhaltensweisen, die sie über viele Jahre immer wieder gezeigt haben, häufig als selbstverständlich erleben. Gerade deshalb fällt es schwer, diese kritisch zu hinterfragen und als veränderbar wahrzunehmen.

Vielleicht wird dadurch verständlicher, weshalb Angehörige, Partnerinnen und Partner oder Kolleginnen und Kollegen häufig den Eindruck haben, mit ihren Rückmeldungen nichts zu bewirken.

Sie wünschen sich, dass ihr Gegenüber das eigene Verhalten hinterfragt und offen für Veränderung ist.

Die betroffene Person erlebt dazu jedoch häufig keinen Anlass, weil das eigene Verhalten selbstverständlich erscheint.

Wenn das eigene Verhalten kaum hinterfragt wird, stellt sich fast automatisch die nächste Frage:

Warum fällt es dadurch so schwer zu erkennen, welchen Anteil das eigene Verhalten an wiederkehrenden Konflikten haben kann?

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Warum der eigene Anteil an Konflikten häufig übersehen wird

Wenn das eigene Verhalten kaum hinterfragt wird, bleibt das selten ohne Folgen.

Denn wer den eigenen Anteil nur selten hinterfragt, sucht die Ursache eines Konflikts häufig zuerst bei anderen Menschen.

Genau das konnte man auch bei Stromberg beobachten.
Sein Kollege wollte ihm keine Schuld zuweisen.
Er wollte ihn lediglich darauf aufmerksam machen, wie seine Aussagen auf das Team wirken.
Doch anstatt sich zu fragen, ob an dieser Rückmeldung etwas dran sein könnte, stand für Stromberg schnell fest:

„Die anderen sind einfach zu empfindlich.“

Der eigene Anteil gerät dadurch immer weiter in den Hintergrund.

Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die vermeintlichen Fehler oder Schwächen des Gegenübers.

An diesem Punkt zeigt sich eine weitere Dynamik.

Wer den eigenen Anteil an einem Konflikt nicht erkennt, erlebt die Ursache des Problems vor allem beim Gegenüber.

Dadurch entsteht leicht der Eindruck, dass nicht das eigene Verhalten verändert werden müsste, sondern vor allem das der anderen.

Im therapeutischen Modell wird beschrieben, dass zwischenmenschliche Konflikte häufig im Sinne einer externalen Attribution erklärt werden. Die Ursache einer gestörten Interaktion wird dabei überwiegend beim Beziehungspartner gesehen, ohne zu erkennen, dass möglicherweise auch das eigene Verhalten zum Konflikt beigetragen hat.

Vielleicht kennst du solche Situationen selbst.
Du sprichst ein Problem ruhig an.
Doch anstatt gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, geht es plötzlich darum, was du falsch gemacht haben sollst.

Aus deinem ursprünglichen Anliegen wird eine Diskussion über dein Verhalten.

Der eigentliche Konflikt gerät dabei immer weiter aus dem Blick.

Diese Situation kann sehr belastend sein.

Nicht, weil unterschiedliche Sichtweisen grundsätzlich problematisch wären.
Sondern weil der Eindruck entsteht, dass der eigene Anteil immer wieder ausgeblendet wird und sich dieselben Konflikte deshalb ständig wiederholen.

Wenn der eigene Anteil an Konflikten kaum wahrgenommen wird, stellt sich fast automatisch die nächste Frage:

Welche Auswirkungen kann das langfristig auf Beziehungen und den Berufsalltag haben?


Welche Auswirkungen diese Dynamik langfristig haben kann

Wenn das eigene Verhalten nur selten hinterfragt wird, bleiben Konflikte selten auf einzelne Situationen beschränkt.

Stattdessen wiederholen sich ähnliche Auseinandersetzungen immer wieder.

Zu Beginn versuchen Angehörige, Partnerinnen und Partner oder Kolleginnen und Kollegen zunächst noch, ihre Rückmeldungen ruhig und nachvollziehbar zu schildern.

Sie hoffen, dass ihr Gegenüber ihre Rückmeldungen ernst nimmt und bereit ist, das eigene Verhalten zu hinterfragen.

Bleibt diese Reaktion jedoch dauerhaft aus, verändert sich auch die Beziehung.

Manche Menschen sprechen schwierige Themen irgendwann gar nicht mehr an.
Andere ziehen sich zunehmend zurück.
Wieder andere geraten immer wieder in dieselben Diskussionen, weil sie den Eindruck haben, dieselben Konflikte immer wieder führen zu müssen.

Mit der Zeit wachsen Enttäuschung, Frustration und emotionale Distanz.

Gerade in Partnerschaften kann das dazu führen, dass sich ein Partner oder eine Partnerin mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen zunehmend allein gelassen fühlt.

Auch im Berufsalltag kann diese Dynamik die Zusammenarbeit erschweren.

Rückmeldungen werden seltener ausgesprochen.
Missverständnisse bleiben bestehen.
Konflikte wiederholen sich.
Und das gegenseitige Vertrauen geht nach und nach verloren.

Im therapeutischen Modell wird beschrieben, dass zwischenmenschliche Konflikte bestehen bleiben oder sich sogar verstärken können, wenn der eigene Anteil an einer belastenden Interaktion nicht erkannt wird. Die Ursache des Konflikts wird dann überwiegend beim Gegenüber gesehen, wodurch sich problematische Beziehungsmuster zunehmend verfestigen können.

Vielleicht erkennst du solche Situationen aus deinem eigenen Leben.

Du hast immer wieder versucht, ruhig zu erklären, was dich belastet.
Du hast gehofft, dass deine Rückmeldungen etwas verändern.
Doch irgendwann entstand der Eindruck, dass sich dieselben Konflikte immer wiederholen.

Für Angehörige, Partnerinnen und Partner oder Kolleginnen und Kollegen kann das auf Dauer sehr belastend sein.

Nicht, weil Veränderung grundsätzlich unmöglich wäre.
Sondern weil die Ursache des Konflikts immer wieder überwiegend beim Gegenüber gesehen wird und dadurch gemeinsame Lösungen aus dem Blick geraten.


Fazit

Der Blick auf den grandiosen Narzissmus macht deutlich, warum Selbstreflexion eine zentrale Voraussetzung für gelingende zwischenmenschliche Beziehungen ist.

Wer das eigene Verhalten nicht hinterfragt, erkennt den eigenen Anteil an Konflikten oft nur schwer.

Dadurch bleiben wiederkehrende Beziehungsmuster häufig bestehen.
Missverständnisse werden nicht aufgelöst.
Und dieselben Konflikte können sich immer wiederholen.

Gerade deshalb erleben viele Menschen solche Situationen als besonders belastend.

Sie erwarten keine Perfektion.

Vielmehr wünschen sie sich die Bereitschaft, Rückmeldungen anzunehmen, das eigene Verhalten zu hinterfragen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Das therapeutische Modell macht deutlich, dass problematische Verhaltensweisen nicht als unveränderlicher Teil der eigenen Persönlichkeit verstanden werden sollten. Erst wenn sie bewusst wahrgenommen und kritisch hinterfragt werden, können neue Erfahrungen entstehen, die langfristig zu erfüllenderen und stabileren Beziehungen beitragen.

Für Angehörige ist dabei vor allem eines wichtig:

Zu verstehen, warum sich ein Mensch so verhält, bedeutet nicht, verletzendes Verhalten hinzunehmen oder zu entschuldigen.

Psychologisches Wissen kann dabei helfen, wiederkehrende Beziehungsmuster besser einzuordnen, die Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört und die eigenen Grenzen bewusster zu schützen.

Vielleicht hilft dir dieser Blick auf den grandiosen Narzissmus dabei, schwierige Situationen künftig klarer einzuordnen.

Nicht, um alles zu akzeptieren.
Sondern um zu erkennen, welche Dynamiken hinter bestimmten Verhaltensweisen stehen und weshalb echte Veränderung erst dann möglich wird, wenn das eigene Verhalten überhaupt hinterfragt werden kann.


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Reflexionsfrage

Kennst du Situationen, in denen du immer wieder versucht hast, einen Konflikt zu lösen, dein Gegenüber jedoch kaum bereit war, das eigene Verhalten zu hinterfragen?

Wie hat sich das langfristig auf dein Vertrauen, eure Beziehung und dein eigenes Wohlbefinden ausgewirkt?


Ausblick

Im ersten Artikel dieser Serie haben wir verstanden, warum Menschen mit grandiosem Narzissmus so häufig Aufmerksamkeit und Bewunderung suchen.

Im zweiten Artikel ging es darum, weshalb sie andere Menschen immer wieder abwerten.

Im dritten Artikel haben wir beleuchtet, warum Kritik häufig intensive Reaktionen auslösen kann und weshalb daraus Wut, Rechtfertigungen oder Schuldzuweisungen entstehen.

Im vierten Artikel haben wir uns angeschaut, warum Menschen mit grandiosem Narzissmus häufig versuchen, Situationen unter Kontrolle zu behalten, weshalb Kontrollverlust so belastend erlebt werden kann und warum es ihnen oft schwerfällt, Grenzen oder Entscheidungen anderer zu akzeptieren.

Im fünften Artikel haben wir nachvollzogen, warum es Menschen mit grandiosem Narzissmus häufig schwerfällt, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen, weshalb daraus Rechtfertigungen und Schuldzuweisungen entstehen können und welche Auswirkungen diese Dynamik auf Beziehungen und den Berufsalltag haben kann.

Im sechsten Artikel haben wir betrachtet, warum Menschen mit grandiosem Narzissmus die Perspektive anderer häufig aus dem Blick verlieren, weshalb Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse des Gegenübers dadurch leicht übersehen werden und welche Folgen diese Dynamik für Beziehungen, Kommunikation und den Berufsalltag haben kann.

In diesem Artikel haben wir verstanden, warum Menschen mit grandiosem Narzissmus das eigene Verhalten häufig nur schwer hinterfragen, weshalb der eigene Anteil an Konflikten dadurch leicht aus dem Blick gerät und warum sich dieselben Beziehungsmuster dadurch immer wieder wiederholen können.

Im nächsten und letzten Artikel dieser Blogreihe schauen wir darauf, warum Beziehungen mit Menschen mit grandiosem Narzissmus aus dem Gleichgewicht geraten können. Dabei geht es um Gegenseitigkeit, die Bedürfnisse beider Menschen und die langfristigen Folgen einseitiger Beziehungsmuster.

Romy Katzberg-Koch

Über Romy Katzberg-Koch

Heilpraktikerin, Gründerin der JustYou-Katzberg Akademie und leidenschaftliche Begleiterin für Frauen auf ihrem Weg zu ganzheitlicher Gesundheit. Mit über 100 Fortbildungen verbinde ich evidenzbasiertes Wissen mit echter Empathie.

Mehr über mich →

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